Streuobstgärten
Streuobstgärten sind die auffälligsten landschaftsprägenden Strukturen. Diese künstlich begründeten Bestände weisen in vielerlei Hinsicht große Vorteile auf. Interessant ist sicherlich die Möglichkeit einer zeitweilen Mehrfachnutzung.
Neben der Obstgewinnung kann die Wiesenfläche als Weide oder zur Grundfuttergewinnung verwendet werden. Aus Sicht des Naturschutzes ist vorrangig die tierökologische Bedeutung eines Streuobstgartens hervorzuheben. Besonders alte Bäume mit Baumhöhlen und abgestorbenen Baumteilen sind wertvolle Lebensräume für zahlreiche Tiere. Vögel, wie zum Beispiel der Wendehals, Spechte oder Zwergeule , Fledermäuse und eine Vielzahl von Insektenarten leben in den Höhlen alter Bäume. Ebenso bildet die Wiesenfläche unterhalb der Obstbäume für unzählige Insekten und Kleinsäuger eine Zufluchtstätte . Dies trifft besonders in der Erntezeit zu, wo oft alle Grünlandflächen um den Obstbestand gemäht sind. Zu dieser Zeit finden dann viele Tiere im höheren Gras des Obstgartens Unterschlupf und Schutz vor Sonne, Trockenheit aber auch vor Fressfeinden.
Ebenso wichtig wie die Erhaltung von Obstgärten als Lebensraum für die Tierwelt ist der weitere Bestand von diesen Landschaftsstrukturen nötig zur Aufrechterhaltung einer hohen Biodiversität. Häufig findet man in unseren Streuobstgärten alte Obstsorten die keinerlei Weiterzucht unterliegen. Der ökologische Verlust dieser Bestände wäre unermesslich, denn er bedeutet das Ende einer besonders artenreichen Lebensgemeinschaft.
Streuobstwiesen dienen als Erosionsschutz, als Bienenweide, Wildobst und Lebensraum für viele geschützte oder gar vom Aussterben bedrohten Tierarten. Sie sind wichtige Knotenpunkte in der anzustrebenden Vernetzung von Biotopen.
Für eine Beweidung mit Schafen oder Ziegen ist der Streuobstbestand nur mäßig geeignet. Probleme treten hier vor allem durch die aus naturschutzfachlicher Sicht nötige späte Beweidung auf. Obstbestände sollten nämlich erst Anfang bis Mitte Juni beweidet werden, wenn die umliegenden Wiesenflächen schon gemäht sind. Zu diesem Zeitpunkt ist im Obstgarten der Bestand schon sehr hoch und teilweise überständig. Schafe bevorzugen jedoch junges und frisches Gras.
Wird der Streuobstbestand mit Ziegen beweidet, müssen die Obstbäume vor Verbiss geschützt werden. Dies ist praktisch nur durch aufwendige Zäunung möglich. Wirklich sinnvoll erscheint nur ein Nachweidegang im Herbst.


