Welche Strategien zum Weidemanagement bzw. zur Weidesanierung können angewandt werden?
Im folgenden werden mögliche grundsätzliche Strategien erläutert, die bei reiner Koppelbeweidung aber auch bei Beschickung von Almen gewählt werden können. Leider kann kein Allgemeinrezept zum Weidemanagement gegeben werden, da jeder Betrieb über andere besondere Gegebenheiten verfügt, weshalb die folgenden Möglichkeiten zur Weidesanierung bzw. zum Weidemanagement an den eigenen Betrieb angepasst werden müssen.
2.1. Haltung von Schafen und Ziegen auf Koppelweiden
Zwei Konzepte sind bei reiner Koppelhaltung mit gehäufter Frühjahrsablammung für die Mastlämmer und die weibliche Nachzucht in Frage:
2.1.1. Es stehen im Frühjahr unkontaminierte Flächen zur Verfügung
Sämtliche Tiere sind im Herbst bei der Aufstallung nach positivem Kotprobenbefund zu entwurmen. Nur so kommt es in der Stallhaltung zu keinen Neuinfektionen! Zu beachten ist auch, dass der Stall nach der Entwurmung gut gereinigt und desinfiziert wird. Auf keinen Fall dürfen nicht entwurmte Tiere zu der Gruppe der entwurmten Muttertiere verbracht werden (bei Zukäufen unbedingt darauf achten, dass die Tiere zuerst auf Parasiten untersucht und entwurmt werden, bevor sie zu den eigenen Schafen/Ziegen verbracht werden). Sind die Muttertiere wurmfrei, sind auch die Lämmer nicht betroffen. Kommt es dennoch zu Durchfällen bei den Lämmern, sind Kotproben zu ziehen noch bevor der Weidegang erfolgt, damit eine rechtzeitige Behandlung vor Weideaustrieb noch erfolgen kann!
Wird derartig vorgesorgt, kann die Weide ohne große Probleme beschickt werden. Die Lämmer stecken sich auf der Weide nur gering mit Parasiten an und sind bereits schlachtreif, wenn die Hauptausscheidung der Eier und Larven der Würmer im Juni/Juli beginnt – diese Lämmer weisen oft nur geringen Befall mit Würmern auf, der noch keine Einbußen im Wachstum mit sich führt.
In der Mitte des Sommers abgesetzte Mastlämmer, die im Herbst fertiggemästet werden und Durchfälle zeigen, sollten mittels Kotprobe auf Parasiten untersucht werden. Wird ein starker Wurmbefall festgestellt, ist eine einmalige Entwurmung spätestens vor dem Weideumtrieb auf risikofreie Flächen bzw. beim Aufstallen der Tiere im Herbst durchzuführen. Dadurch werden erstens Leistungsminderungen verhindert und vor allem die neuen Weideflächen vor Kontamination geschützt.
Stehen nur kontaminierte Flächen beim Weideumtrieb im Sommer zur Verfügung, sollten die Jungtiere ab August/September in dreiwöchigen Abständen auf neue Weideflächen verbracht werden, die vorher von anderen Tierarten beweidet wurden bzw. vorher gemäht wurden. Zeigen Jungtiere Anzeichen und Symptome von Parasitenbefall, ist vor Weidewechsel auf eine frische Weide zu entwurmen, danach der 3wöchige Weidewechsel durchzuführen.
2.1.2. Am Betrieb sind nur kontaminierte Flächen vorhanden
Eine sehr kostenintensive Möglichkeit ist die regelmäßige Entwurmung aller Tiere in kurzen Abständen mit anschließendem Weideumtrieb. In der Fachliteratur wird dies immer wieder empfohlen. Werden die Lämmer bis zum Absetzen im Stall gehalten und wurden die Muttertiere beim Aufstallen im Herbst gründlich entwurmt, treten im Allgemeinen nur vereinzelt Probleme durch Wurmbefall mit Magen-Darm-Würmern auf. Da Resistenzen gegen Antiparasitika jedoch immer häufiger auftreten, muss durch gezielte Entwurmung und geschickten Weideumtrieb das Parasitenproblem soweit unter Kontrolle gebracht werden, dass minimaler Arzneimitteleinsatz das Ziel sein sollte. Am besten sollten die Tiere spätestens nach 3 Wochen auf eine neue Weidefläche umgesetzt werden. Stark kontaminierte Flächen (z.B.: Weidefläche, die zuletzt im Herbst genutzt wurde) sind im Frühjahr nicht zu bestoßen, sondern zu mähen oder mit anderen Tierarten (Rinder, Pferde) zu beweiden. So wird der Infektionsmechanismus auch unterbrochen. Infektionfähige Parasitenlarven werden von Fehlwirten aufgenommen oder sterben beim Konservieren des Grases ab.
Am besten hat sich ein möglichst später Weideaustrieb im ersten Jahr der Sanierung bewährt, was wiederum auf Biobetrieben nicht möglich ist, da hier regelmäßiger Weidegang gewährt werden muss. Man erkennt hier schon die Problematik, dass jeder Betrieb individuell betrachtet werden muss. Individuelle Konzepte müssen erstellt werden.
2.2. Weidehaltung von Schafen und Ziegen mit Alpung im Sommer
Hier kann man lediglich Schadensbegrenzung betreiben, da nie ausgeschlossen ist, dass die Weiden (v.a. auf der Alm) kontaminiert. Die Herden völlig wurmfrei zu bekommen, ist hier illusorisch. Lediglich eine Reduktion der Wurmbelastung in Kombination mit regelmäßiger Kotprobenuntersuchung und gezielter Entwurmung ist möglich, die soweit erfolgreich sein sollte, als dass es zu keinen Leistungseinbußen in der Produktion kommt.
Das größte Risiko der Ansteckung mit Wurmlarven besteht auf den Heimweiden im Frühjahr und im Herbst. Auf der Alm ist zwar der Kontaminationsstatus nicht bekannt, es ist aber davon auszugehen, dass die Hauptinfektion im Hochsommer (Ende Juli/August) erfolgt, da dann vermehrt Eier ausgeschieden werden und vor allem mit Parasiten befallene Tiere, die vor dem Almauftrieb nicht behandelt wurden als Infektionsquelle bzw. Ausscheider gelten. Da auf Almweiden keine so hohe Viehdichte herrscht ist die höchste Kontamination von Wurmeiern vor allem in der Nähe der Tränkestellen bzw. auf Sammelplätzen gegeben.
Empfohlen wird, dass die Almflächen nur mit zuvor untersuchten bzw. bei Wurmbefall behandelten Tiere bestoßen werden und die Schafe/Ziegen nach dem Almabtrieb nochmals untersucht werden, bevor sie auf nicht kontaminierte Heimweiden gebracht werden.
In der Praxis gestaltet sich genau dies sehr schwierig, da die meisten Tiere unmittelbar aus dem Transporter auf die Heimweide kommen und eine Untersuchung bzw. Entwurmung nur schwer umsetzbar ist. Somit kann angenommen werden, dass die Herbstweiden kontaminiert werden.
Man kann den Infektionsdruck jedoch senken, indem man bei geringem Wurmbefall ohne sichtbare Zeichen wie Abmagerung, Ödeme, Durchfälle, Rückgang der Zuwachsraten, etc. die Herbstweide in 2 – 3 Portionsweiden teilt und alle 14 Tage die Weidefläche wechselt. So haben die Parasiten keine Chance mehr, infektiöse Larven auf der Weide anzureichern. Spätestens aber beim Einstallen in die Winterquartiere ist eine Untersuchung durchzuführen und ab der Diagnose “mittelgradiger” Wurmbefall die gesamte Herde zu entwurmen. Hierbei darf kein Tier (auch kein Lamm) vergessen werden, um einen ausreichenden Schutz vor Neuinfektion zu gewährleisten.
Nach dem Entwurmen ist der Stall zu säubern und zu desinfizieren. Es ist darauf zu achten, Wurmmittel zu verwenden, die auch Larvenstadien der Würmer abtöten. Nur so wird der Stall frei von Wurmeiern.
Kontaminierte Weideflächen sollten in der Hauptausscheidungszeit gewechselt werden und danach nicht mehr mit Tieren beschickt werden. Gras von diesen Flächen sollte gemäht und Heu daraus gewonnen werden. Für die Frühjahrsbeweidung ist zumindest eine Koppel “sauber” zu halten (Lämmerweide), auf die nur Jungtiere verbracht werden sollten, die Errichtung einer sogenannten Lämmerweide ist jedoch nur in Milchschafherden bzw. bei bereits abgesetzten Lämmern möglich. Befinden sich die Lämmer noch beim Muttertier, gestaltet sich dies schwierig.
Das Thema Weidemanagement beschäftigt Fachleute bereits seit Jahren und wird immer wieder neu diskutiert. Bei Unklarheiten kann der Fachtierarzt für kleine Wiederkäuer und die Fachberater Auskunft geben. Weitere Infos unter der Rubrik Verbandsprogramme unter dem Link: Parasitenbekämpfungsprogramm des Österreichischen Tiergesundheitsdienstes!




